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Nachprogramm zum Europäischen Totentanzfestival: Öffentliche Führung zur Ausstellung "todesmutig" - Grafiken der Moderne

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Nachprogramm zum Europäischen Totentanzfestival: Öffentliche Führung zur Ausstellung "todesmutig" - Grafiken der Moderne


Datum Samstag, 9. Oktober 2021, 15:30 - 16:30 Uhr
Standort Marienkirchhof 1, Marienkirchhof 2, 23552 Lübeck
Mitwirkende
Marion Koch, Kunsthistorikerin und Kunstvermittlern
Preis
Eintritt frei
Nachprogramm zum Europäischen Totentanzfestival: Öffentliche Führung zur Ausstellung "todesmutig" - Grafiken der Moderne

Das Motiv des Totentanzes war im Mittelalter bis ins 17. Jh. eng mit drohenden oder erlebten Katastrophen wie dem „schwarze Tod“ verbunden. In der Ausstellung sind Totentanzfolgen oder einzelne graphische Blätter aus dem 20. Jahrhunderts zu sehen. Wir befragen die Bild- und Gedankenwelt der Künstler und ihre Darstellungen des Totentanzes: Etwa die farbenfrohen Holzschnitten von H.A.P. Grieshaber oder die faszinierenden Radierungen Horst Janssens.


TODESMUTIG – TROTZ ALLEM?

Oder vielleicht eher wegen allem?

Diesen Fragen und Aufgaben widmet sich von September 2021 bis November 2022 eine Veranstaltungsreihe der Nordkirche unter dem Motto „todesmutig“: Sie hat zum Ziel, gerade im Angesicht des Todes mutig nach vorn zu schauen und die kleinen und großen Abschiede des Lebens ins Zentrum zu stellen: Und zwar mit den Mitteln der Kunst.

Warum die Kunst eine gute Ansprechpartnerin ist? Weil sich Kunst – ähnlich der Religion – immer auch mit den Schattenseiten des Lebens auseinandersetzt. Weil sie alles sehen will, nicht nur das glänzende Bild der Erfolgreichen und Glücklichen. Weil sie tief, brüchig, existenziell fragt, schreit oder schweigt. Mit Veranstaltungen unterschiedlichster Art wird der Tod in „todesmutig“ zu Wort kommen: Mit Ausstellungen, Lesungen, Tanz, Kabarett.

St. Marien wird dabei eine ganz besondere Ausstellung der Graphiksammlung der Nordkirche zeigen: Vom 26. September 2021 an werden hier zeitgenössische Werke zum Totentanz präsentiert – natürlich in bewusstem Spiel mit und Anknüpfung an den im 2. Weltkrieg zerstörten Lübecker Totentanz von Bernt Notke der Marienkirche.

Namhafte Künstler des 20. Jahrhunderts wie HAP Grieshaber und Ernst Barlach, Edmund Kesting und Robert Hammerstiel werden mit Werken zu sehen sein, die sich dem mittelalterlichen Motiv des Totentanzes in neuer Manier verschrieben haben. Da spielt der Tod dem Maler auf der Geige auf, der Papst kippt vornüber in die Hände des Todes und ein grotesk anmutendes Gerippe steht mit Sonnenschirm in der Hand gefährlich nah am Kaiser. Vor dem Tod sind alle gleich – das kann einem als unliebsa- me Botschaft den Atem nehmen, es kann aber auch eine Alternative, eine Gegenbotschaft zum Allzumenschlichen bieten, in das wir täglich verstrickt sind. Mit der Kraft der Kunst wird dieser Konterpart zum Leben witzig, trotzig, grausam und skurril in Szene gesetzt. Und lädt uns dazu ein, sich ihm todesmutig zu stellen.

Die Reihe „todesmutig“ wird im November 2022 in Wolgast geschlossen, dort, wo neben dem Lübecker Totentanz der zweite auf dem Gebiet der Nordkirche befindliche Totentanz zu sehen ist. Hier wird ein künstlerischer Konterpart, ein „Lebendtanz“ entstehen, der dem dort hängenden Original gegenüber gestellt wird. Denn: Todes- mutig sein heißt auch, sich kraftvoll in das Leben zu stürzen, mit allen kleinen und großen Todes, die es für uns bereithält.