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Für die Freiheit: Junge Künstler:innen aus Belarus - Gruppenausstellung

NOV
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Für die Freiheit: Junge Künstler:innen aus Belarus - Gruppenausstellung


Datum Samstag, 21. November 2020, 10:00 - 16:00 Uhr
Mitwirkende
Junge Künstler aus Belarus, Studierende der Musik, Ökumenepastor Kai Feller, Pastor Robert Pfeifer
Für die Freiheit: Junge Künstler:innen aus Belarus - Gruppenausstellung

New Belarus Art

Im November 2020 dokumentiert die evangelisch-lutherische Rats- und Bürgerkirche Lübecks, St.Marien, die Protestkunst der belarusischen Künstler. Die Ausstellung in der dreischiffigen Basilika ist vor allem für die Künstler selbst eine aufrüttelnde Erfahrung. In der mächtigen gotischen Basilika sind erstmals Gemälde und Fotografien zur Momentaufnahme der belarusischen Opposition zu sehen, darunter Swjatlana Zichanouskaja – Präsidentschaftskandidatin im Exil, Maria Kolesnikowa – Oppositionsführerin im Gefängnis, Swetlana Alexijewitsch – Nobelpreisträgerin im Exil... 

Die Charaktere sind in die weiß-roten Farben der Nation eingetaucht, die seit Monaten versucht, sich wie ein Phönix zu erheben. Der Autor der weiß-roten Fahne – Klaudsij Dusch-Duscheuski – versteckte einst Juden zu Hause und wurde dafür in das Konzentrationslager KZ Auen deportiert. Heute hat das Regime dieser Fahne den Krieg erklärt und ist dabei, alle Menschen zu unterdrücken, die auch nur die geringste Andeutung von symbolischen Farben haben. In den Werken der Ausstellung haben diese Farben jedoch den Weg nach draußen gefunden, schweben aber immer noch wie das Damoklesschwert über den Köpfen der Künstler. Schließlich reicht diese Ausstellung allein schon aus, um die Künstler in Belarus zu foltern. Die Reminiszenzen an die entartete Kunst werden deutlich.

Am 9. August trat ein ethnopsychologisches Phänomen auf. Belarusen auf der ganzen Welt empfanden metaphysischen Schmerz, der zur Vereinigung und Konsolidierung des belarusischen Volkes führte. An diesem Tag verkündete das Regime seinen Wahlsieg auf der Grundlage von unbeweisbaren 80% der Stimmen und reagierte auf friedliche Proteste mit Blendgranaten, Gummigeschossen und in einigen Fällen mit scharfer Munition. In den folgenden Tagen wurden Tausende von Bürgern im Gefangenenlager verhaftet, gefoltert und mit Gummistöcken vergewaltigt. Seither nehmen die gewaltsamen repressiven Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zu, und das Regime bekämpft alle Ansätze oppositionellen Denkens mit unmenschlichen Mitteln. Zensur, Entlassungen, Vertreibungen, Verhaftungen und sogar Entführungen oppositioneller Bürger erschüttern zunehmend das Land.

Diese Ereignisse haben zu einer Neubewertung der ethnischen Selbstidentifikation von Belarusen auf der ganzen Welt geführt. Die Belarusen begannen, ihr eigenes Wesen neu zu erkennen, ihre Rolle beim Verständnis der Geschichte und bei der Bildung des "Neuen Belarus", einschließlich des Bewusstseins ihres Rechts auf freie, unabhängige Existenz und auf die Schaffung einer originellen ethnischen Kultur, einschließlich zeitgenössischer bildender Kunst. Der soziale und kulturelle Kern dieser Bewegung ist zu der Mentalität geworden, die es den Ethnophoren erlaubt, die Realität auf ähnliche Weise wahrzunehmen, sie zu bewerten und kreativ zu handeln, indem sie die These von der bestimmenden Rolle des nationalen Bewusstseins bei der Selbstbildung der Nation wahrnehmen und mit der belarusischen Kunstmoderne verbinden.

Nun wagt die belarusische Diaspora Hamburg Razam einen weiteren Schritt zu machen und eine neue Exposition «New Belarus Art» in der Kirche St. Marien Lübeck zu präsentieren. Damit möchte Hamburg Razam seinem Anspruch kommen, Positionen von 16 belarusischen Künstlern zu zeigen, die besonders aktuell, besonders drängend und sehr nahe sind. Die Künstler stellen Arbeiten aus, die mehr als eine Verbindung aktueller Momentaufnahme schaffen.  Durch die Reflexion über ihr Wesen der neuen Selbstidentifikation und ihre Erfahrung mit der Metaphysik des ethnopsychologischen Phänomens haben Künstler zeitgenössische Werke geschaffen, die das Potenzial haben, einen besonderen Beitrag zur Kunstmoderne zu leisten, indem sie die Traditionen belarusischer Künstler wie Marc Chagall und Chaim Soutine fortsetzen.


Musik: Olga Mashanskaya (Geige), Maryia Bazhkova (Geige)