Das Glockenspiel im Südturm ist nun komplett

Das Glockenspiel im Südturm ist nun komplett


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Veröffentlicht am Montag, 27. Mai 2019, 12:09 Uhr

Die Begrüßung der neuen Glocken findet an Pfingstsonntag, 9. Juni 2019, im Gottesdienst um 10 Uhr statt. Eine Glocke fehlte bisher im nun 37-teiligen Glockenspiel. Die große Glocke mit ihrem tiefen ‘C wurde im November vorigen Jahres in der Glockenbaufirma Rincker in Sinn (Hessen) gegossen, ebenso sechs kleinere Glocken und 14 Glocken gestimmt und nachjustiert. Die Kosten von rund 150.000 Euro übernahm der Lübecker Kaufmann Dieter Bruhn. 

Er ist St. Marien und den Glocken schon lange verbunden: „Vor vielen Jahren war ich mit dem damaligen Pastor Volker Schulze im Südturm, um das Glockenspiel anzusehen. Beeindruckt hat mich die technische Raffinesse, die die Erbauer Anfang der 50er Jahre beherrschten“. Mit den Jahren jedoch nahm die Klangqualität der Glocken ab und die Choräle waren nicht mehr klar erkennbar. „Im Jahr 2009 habe ich Gelder für die Überarbeitung der Glocken D, G und A gespendet“ so Bruhn. Und nun also für die größte und bisher fehlende. 
„Die Glocken werden von außen angeschlagen", informiert Marienpastor Robert Pfeifer, „und sagen seit dem Mittelalter mit ihren Melodien die Zeit an. Deshalb stehen sie fest im Glockenstuhl, im Gegensatz zu den frei schwingenden Nordturmglocken". Musikalisch umrahmt den Gottesdienst die Lübecker Knabenkantorei – traditionell werden die Nachwuchssänger an Pfingstsonntag im Konzertchor begrüßt. 
„Das Glockenspiel stammt aus dem Jahr 1908 und war in der St.-Katharinen-Kirche in Danzig eingebaut“, weiß Volker Schulze, Vorsitzender des St.-Marien-Bauvereins und ehemaliger Pastor an St. Marien. „Nach den Kriegswirren wurde es 1953/54 in die St.-Marien-Kirche integriert – die große C-Glocke war allerdings abhandengekommen“. Die historischen sieben Uhrschlagglocken im Dachreiter, gegossen 1508 bis 1510, fielen in der Palmarum-Nacht den britischen Bombern zum Opfer. „Dass das Glockenspiel nun wieder komplett ist, freut mich sehr. Viele der kleinen sind neu gestimmt und nun wird der Klang sauberer sein, sodass auch Konzerte direkt an den Glocken möglich sind.“
Genau dazu lädt im Anschluss an den Gottesdienst Kirchenmusiker Johannes Unger ein: Er steigt den Südturm hoch und gibt oben zwei Live-Konzerte für je 25 Gäste. Hierfür sind am St.-Marien-Kiosk Karten erhältlich. Wer keine bekommt, kann die Konzerte auf dem Norderkirchhof bei Kaffee und Sekt genießen.
Das Glockenspiel läutet alle halbe Stunde mit einem Choral dem Kirchenjahr entsprechend: „Immer zur halben Stunde wird ein halber Choral gespielt, daran unterschieden sie die Leute früher von der ganzen Stunde. Und wenn es einen vollen Stundenschlag mit einem vorherigen halben Choral gibt, ist es 11.30 Uhr“, informiert Robert Pfeifer. Viele Einheimische und Touristen wüssten dies nicht und seien verwundert, warum es um halb 12 einen vollen Stundenschlag gebe.
Ausblick: Zur Feier der neuen und der neu gestimmten Glocken plant die St.-Marien-Gemeinde für 2020 ein großes Glockenfest. Dabei sollen die Glocken und die Läuteordnung der interessierten Stadtöffentlichkeit vorgestellt werden. „die Glocken sprechen eine andere Sprache zu Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Warum das so ist und warum wir diese jahrhundertealte Tradition erhalten wollen – auch, dass sonntags um 8 Uhr die erste Glocke schlägt, kann man dann erfahren“, so Pfeifer. Auch ein Glockengeläut für Ereignisse, die die ganze Stadt betreffen – wie das Volksfest – ist in Planung. „Unser Wunsch ist, dass die Glocken Einzug in die Herzen der Menschen halten.“

Die Lübecker Nachrichten berichteten...