Palmarum 2019: Glocken, Versöhnung und Gastfreundschaft

Palmarum 2019: Glocken, Versöhnung und Gastfreundschaft


# Impulse
Veröffentlicht am Dienstag, 16. April 2019, 12:14 Uhr
© Foto: RP

Mit dem Palmsonntag hat die Karwoche begonnen, die „Stille Zeit“.  Jesus reitet auf einer Eselin in Jerusalem ein,  die Menschen jubeln, sie  breiten ihre Kleider aus und streuen Palmzweige auf seinen Weg und sie jubeln: »Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn. Hosianna in der Höhe!« (Mt 21,8-9). Und doch beginnt kurz danach die Leidenszeit Jesu,  an die wir in dieser Woche denken. Kalt war es an diesem Palmsonntag am 14. April, draußen und drinnen. Die Heizung ist immer noch defekt und in unserer großen Kirche nützt es auch nichts, wenn viele Menschen drin sitzen – man kann sich nicht gegenseitig wärmen, denn wir haben nun mal das höchste Backsteingewölbe der Welt.  Doch es gab nach dem Gottesdienst für alle einen heißen Kaffee, denn es wurden die neuen Glocken begrüßt: von Bischöfin Kirsten  Fehrs, von Bürgermeister Jan Lindenau, von Pastor em. Volker Schulze, von Pastor Robert Pfeifer, vom Kirchengemeinderat, vom Stifter, Professor Hans-Heinrich Otte und seiner Familie,  von Mitarbeitern der Glockengießerei Rincker aus Sinn in Hessen,  von unserem Organisten Johannes Unger, von der Blechbläsergruppe „Marien-Brass“ und zahlreichen Gemeindemitgliedern. Wir haben zu den bisherigen sieben Glocken  nun noch eine „Ratsglocke“ als klingendes Zeichen der traditionellen Verbindung zwischen Kirche und Rat - Bürgermeister Lindenau hat die Patenschaft für diese Glocke übernommen. Bischöfin Fehrs ist Patin für „Glocke der Gastfreundschaft“ -  lebendige Mahnung zur  herzlichen Aufnahme und Hilfe für geflüchtete und bedrängte Menschen. Seit  1985 läutet im Norderturm schon  eine „Versöhnungsglocke“ - an dieser Stelle wird es Zeit, zu berichten, was unsere Jugendlichen auf ihrer Reise zum Nagelkreuzzentrum in York erlebt haben. Denn eins ist sicher: sie haben sich zusammen mit den englischen jungen Menschen intensiv mit den Themen Versöhnung und Verständnis befasst,  und sie haben eine ganz wunderbare Gastfreundschaft genossen.

Lassen wir sie selbst zu Wort kommen:

Emma: „Die Gastfreundschaft war wirklich toll.“

Julius: „Das englische Essen war extrem lecker!“

Anna: „Ich fand es beeindruckend, dass der Bürgermeister von York sich für uns soviel Zeit genommen hat.“

Auch ein kleines Tagebuch haben die Konfirmanden uns mitgebracht:

Tag 1

Wir sind heute Morgen sehr früh nach York geflogen. Als wir am Bahnhof in York ankamen, war der Fußweg zum Hotel ziemlich kurz. Wir stellten schnell unsere Sachen ab und alle waren erleichtert, in unserem schönen Hotel angekommen zu sein. Wir sind dann in eine Schule gegangen, um dort zu essen. Wir haben uns mit einem Mädchen, die dort zur Schule geht, unterhalten. Charlotta hat uns viel über die englischen Kulturen erzählt. Am Abend sind wir nach dem Anfang eines Konzertes todmüde ins Bett gefallen.    Tag 2 Morgens nach dem extrem leckeren Frühstück haben wir uns auf den Weg zum Wikingermuseum gemacht. Dort haben sie die Gerüche von früher nachgestellt und wir konnten sehen, wie Wikinger früher gelebt haben. Dann besuchten wir unsere Partnerkirche, die St. Martin Church. Dort haben wir am Friedensgebet teilgenommen und mit den engl. Partnern über die Friedensarbeit und über den Brexit gesprochen. In der Freizeit haben sich die meisten von uns in den Harry Potter Lädchen aufgehalten. Es gibt in York solche Straßen wie in den Harry Potter Filmen. Am späten Nachmittag hatten wir eine Führung in York Minster, der zweitgrößten Kirche Englands. Am Abend waren wir dort bei einem „Evensong“ dabei, ein Abendgebet mit viel Musik in der Tradition der anglikanischen Kirche.

  Tag 3 Wir konnten an diesem Tag den Freunden beim „Bell Ringing“ zuschauen und es dann auch selbst auszuprobieren. Kirchenglockenläuten an langen Seilen! Das muss man lange übern, wenn es gut klingen soll, und die Gruppe konnte es wirklich gut. Nach einer englischsprachigen Stadtführung sind wir das Rathaus gegangen, wo uns der Bürgermeister empfangen hat. Das war sehr festlich und der Bürgermeister trug ein historisches Gewand. Unser Pastor hat einen Gruß vom Lübecker Bürgermeister überbracht.  Am Abend haben wir bei der Pastorin Jane Nattrass zuhause ein riesiges und sehr leckeres englisches Essen gegessen, das sie für uns und andere Gäste gekocht hatte. Das war eine tolle Gastfreundschaft.

 

Tag 4

Früh morgens mussten wir schon aufbrechen am Abreisetag. Aber die Freunde aus York sind extra zum Hotel gekommen um uns abzuholen und zum Bahnhof zu bringen. Das war unglaublich nett, und sogar Lunchpakete haben sie uns mitgegeben. Als wir nach den turbulenten Flügen abends wieder in Lübeck waren, wussten wir: Diese Reise wird uns für immer im Gedächtnis bleiben.

Drei Tage haben die jungen Leute in York verbracht, sie haben wunderbare, eindrückliche Erlebnisse mit nach Hause genommen. Leonhard hat es auf den Punkt gebracht: „Wenn sich Menschen aus verschiedenen Ländern so kennenlernen, muss es eigentlich keinen Krieg mehr geben.“

Svea Regine Feldhoff