„Father forgive“: Jugendliche für Frieden und Versöhnung

„Father forgive“: Jugendliche für Frieden und Versöhnung


# Neuigkeiten
Veröffentlicht am Samstag, 9. März 2019, 14:31 Uhr
© Foto: RP

Neben den jetzigen Konfirmanden sind auch etliche Ehemalige dabei – allen ist bewusst, dass sie sich mit englischen Jugendlichen über eine Versöhnungsarbeit austauschen, die immer wichtiger wird. Dabei geht es nicht nur um Schuld, die unsere Vorväter auf sich geladen haben, auch nicht darum, Geschehenes wieder gut zu machen. Das geht nicht. Aber man kann Zeichen setzen – für die Zukunft. Junge Menschen engagieren sich gegen Ausgrenzung, gegen Menschenrechtsverletzungen, Gewalt und vor allem Krieg. Und dabei werden sie nicht Trübsal blasen, sondern gemeinsam singen, lachen, sich anfreunden und dennoch den Ernst ihres Anliegens nicht vergessen. Immer wieder werden Sie gemeinsam überlegen, wie man Versöhnung leben kann, auch im eigenen Alltag. In Zeiten des Brexit bekommt die Begegnung darüberhinaus eine besondere Bedeutung. 


Den Ursprung der Nagelkreuzidee liegt beim Domprobst Richard Howard von Coventry, der nach dem verheerenden Angriff der deutschen Luftwaffe am 14. November 1940 unter  dem zynischen Decknamen „Mondscheinsonate“ auf die Stadt aus den Trümmern der St. Michaels Cathedral drei Zimmermannsnägel zu einem Nagelkreuz zusammensetzen ließ. In die Chorwand der Ruine ließ Howard die Worte „Father forgive“ einmeißeln. Natürlich beziehen sich diese Worte auf die letzten Worte Jesu am Kreuz: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“. Aber Propst Howard hat es fertiggebracht, die Schuld nicht einseitig auf den damaligen deutschen Feind zu beziehen, sondern sich selbst und alle Kriegsbeteiligten anzusprechen. In einer Rundfunkübertragung an Weihnachten 1940 rief er dazu auf, nicht Rache zu üben, sondern sich für Versöhnung einzusetzen.
Doch zunächst kam eben doch Rache: Das große Trauma der Hansestadt Lübeck geschah an Palmarum 1942 – ein englischer Luftangriff zerstörte ein Fünftel der Altstadt, St. Marien, St. Petri und der Dom waren schwer getroffen. Darauf folgte recht schnell wiederum Vergeltung von deutscher Seite: zahlreiche politisch unbedeutende aber historisch wertvolle englische Städte wurden angegriffen und mit teils hohen menschlichen Verlusten schwer zerstört. Die Stadt York wurde schon vier Wochen nach dem englischen Angriff auf Lübeck getroffen. „Vater vergib“. Diese zwei Worte sind bis heute das Motto der Nagelkreuzgemeinschaft auf der ganzen Welt. Allein in Deutschland haben sich mittlerweile fast 70 aktive Nagelkreuzzentren gebildet, aber auch z.B.  in Australien, Bosnien, Herzegowina, Canada, Cuba, Indien, Jordanien Neuseeland, den Niederlanden, Nigeria, Rumänien, der Slowakei und  dem Sudan gibt es Menschen, denen es immer wichtiger wird, sich unter dem „Cross of nails“ für Hoffnung, Frieden und Versöhnung unter den Menschen einzusetzen Die Aktionen sind auch ein großartiges Beispiel für lebendige Ökumene. Zwischen Deutschland und England überwiegend zwischen den protestantischen und den anglikanischen Kirchen, aber auch im katholischen Bereich findet sich immer mehr Beteiligung an diesem wichtigen Anliegen. 


Im Gepäck hat unsere Reisegruppe ein Grußwort unseres Bürgermeisters Jan Lindenau und der Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer.Darin heißt es zum Schluss: „…we are gratefull that a history of hate and sorrow turned into a way of forgiveness, healing and hope“.
In diesem Sinne und im Namen der St. Marien-Gemeinde wünsche ich den zwanzig Jugendlichen unter der Leitung von Pastor Pfeifer eine komplikationsfreie Reise, vier Tage mit eindrücklichen Erlebnisse und den Mut, einige Anregungen in den eigenen Alltag zu integrieren.

Dieses Begegnungsprojekt wird gefördert durch die Possehl-Stiftung und durch die Michael-Haukohl-Stiftung.

Svea Regine Feldhoff


Zu unserer Partnergemeinde in York/UK