Backsteingotik in Nordeuropa

Bis ins hohe Mittelalter, auf dem Land auch noch länger, waren die meisten Kirchen im nördlichen Europa aus Holz gebaut. Als im 12. und 13. Jahrhundert der Wohlstand und mit ihm die Ansprüche der Norddeutschen wuchsen, wollten sie Kirchen aus Stein bauen. Es gab aber hierzulande keine nennenswerten Natursteinvorkommen. Was es gab, war tonhaltiger Lehm, aus dem man Ziegel brennen konnte. Mit diesem Material versuchten die Baumeister, etwas Ähnliches wie die bekannten, meist aus Sandstein gebauten Monumentalkirchen zu bauen - zunächst im romanischen Stil wie in Ratzeburg oder Jerichow, schon bald aber im gotischen Stil. Die gotische Architektur musste aber dafür den Möglichkeiten des Backsteins angepasst werden: weniger Verzierungen, dafür aber mehr strukturelle Variation im Mauerwerk.

Die Marienkirche zählt zwar nicht zu den allerersten Bauwerken dieses Stils. Sie gilt aber als "Mutterkirche norddeutscher Backsteingotik", weil sie das Vorbild für Kirchen im gesamten Gebiet der mittelalterlichen Hanse war - von Haderslev in Dänemark bis Tartu in Estland.